Aus SMS-Aktuellem Anlass: Schweißen verbindet!

    Wenn Schweißen nicht verbinden würde, könnten Sie die SMS-Aktuell jetzt nicht lesen. Mehr noch. Ohne die Schweißtechnik gäbe es die Buss-SMS-Canzler GmbH nicht. Weder 101 Jahre, noch 1 Jahr. Jedenfalls gäbe es sie nicht in dieser, uns allen wohl bekannten Form. Nicht mit diesem Produkt-Portfolio; mit aus Stahl zusammengeschweißten Verdampfern und ihren drehenden Rotoren, worum sich bei der SMS alles dreht; womit sich jede Kollegin und jeder Kollege, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, jeden Arbeitstag beschäftigt. Weil Schweißen verbinden kann, erhalten wir Monat für Monat unser Gehalt. Zumal einen, nur durch kraft- oder formschlüssige Verbindungen zusammengehaltenen, zudem unter Prozessbedingungen zuverlässig funktionierenden Verdampfer zu konstruieren, dürfte selbst die erfahrensten SMS-KO-Kollegen an die Grenze ihres technischen Vorstellungsvermögens bringen.

   Selbstverständlich könnten wir auch ohne die Schweißtechnik problemlos konstruieren, kalkulieren und Prozesse kreieren. Wir könnten Meetings veranstalten, fachlich diskutieren und metallographilosophieren. Wir könnten Terminpläne im Tapetenformat erstellen, diese von Controllern kontrollieren lassen, uns die tollsten technischen Tricks ausdenken und bis zum Umfallen E-Mails versenden. Unser Chef könnte uns managen, derweil wir Angebote erstellen, Materialien anfragen und bestellen. Bis diese im Werk eintreffen, könnten wir die Arbeit planen, und wenn alles da ist, fertigungstechnisch vorbereiten: Anreißen, schneiden, biegen, pressen, walzen, drehen, fräsen, bohren und sogar v-, x-, y- und halbrundförmig fasen. Und dann? – Spätestens dann gucken wir alle, sprachlos und hilflos mit den Schultern zuckend, aus unseren Arbeitsanzügen. Am Kopf kratzend denken wir Root-Cause-analytisch drüber nach. „Warum geht’s nicht weiter?“ An der Wurzel des Problems angekommen, offenbart sich uns ein zwar arbeitsalltäglich offensichtlicher, in seiner elementaren Bedeutung aber vernachlässigter, irgendwann zur Selbstverständlichkeit gewordener Grundsatz. Über jene Technologie, die uns ausnahmslos alle verbindet und zusammenhält. Metallisch und menschlich.

  •    Entschuldigen Sie bitte, falls ich Sie durch meinen Klartext aus Ihrem wohlbehüteten Arbeitstrott gebracht habe. Oder wenn ich Ihnen gar ein mulmiges Gefühl bereitet haben sollte. Trösten Sie sich mit der Tatsache, dass Sie in der schicksalhaften Abhängigkeit zur Schweißtechnik nicht alleine dastehen. Sie und ich und all unsere SMS-Kolleginnen und -Kollegen sind betroffen. Die gesamte SMS. Wie auch zig-tausend andere Maschinen- und Apparatebauunternehmen in Deutschland.

       Einerseits ist dieses mulmige Gefühl der totalen Abhängigkeit durchaus berechtigt. Zum Schweißen gibt’s keine Alternative. Das bisschen, was in unserer Branche durch Kleben mehr oder weniger ans Halten gebracht wird, ist nicht der Rede wert. Stattdessen stellen wir uns folgendes Schreckszenario vor: Aus irgendeinem Grund könnte von einem auf den anderen Arbeitstag nicht mehr geschweißt werden. – Dann könnte ab demselben Tag auch kein Verdampfer mehr gebaut werden. Unsere Kunden wären verärgert, wir alle arbeitslos und die SMS wäre nicht mehr Aktuell, sondern Geschichte. Der tatsächliche Grund unseres mulmigen Gefühls rührt daher, weil uns die Schweißtechnik im reibungslos verlaufenden Berufsalltag zur Selbstverständlichkeit wurde. So selbstverständlich, wie jeden Monat unser Gehalt pünktlich auf dem Konto zu haben. Die Vorstellung, dass es am nächsten Ersten nicht mehr darauf käme, würde uns ebenfalls ein mulmiges Gefühl bereiten. Mit der Schweißtechnik verhält es sich ähnlich, wie mit der Güte eines Menschen: Erst wenn der Sprühfunkenregen der letzten Stabelektrode erlischt, wird die Schweißtechnik sichtbar.

       Andererseits ist das mulmige Gefühl unberechtigt. Jedenfalls solange, wie es Stabelektroden und vor allem Menschen gibt, die mit ihnen auf künstlerische Weise umgehen können. In allen menschenmöglichen und akrobatischen Schweißpositionen. Ob in Wanne, waagerecht und horizontal, ob kreuz und quer, steigend, fallend und rundherum, über Kopf und sogar unter Wasser. Und das mit qualitativ hochwertigem Ergebnis. Druckfest und röntgensicher. SMS-intern von der Schweißaufsicht und extern vom TÜV-geprüft. Was im Mittelalter die Ritter waren, sind im Industriezeitalter die Schweißer. Es sind die stillen, unter ihrem heruntergeklappten Helm agierenden Helden des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus.

       Und deswegen, sozusagen aus SMS-Aktuellem Anlass, möchte ich die elementare Wichtigkeit der uns alle in Lohn und Brot haltenden Schlüsseltechnologie ins Bewusstsein rücken. Ausgehend von dem in unserer Branche wohlbekannten, zu unterschiedlichen Anlässen gern verwendeten, geflügelten Wort: „Schweißen verbindet!“ Das gleichnamige Buch erschien Anfang 2020. Publiziert von den Verbindungsexperten, vom Deutschen Verband für Schweißen und Verwandte Verfahren e.V. Diese Sammlung schweißtechnischer Geschichten ist eine Hommage an die Schweißtechnik. Und an jeden Schweißer. An alle Verbindungskünstler, die, wegen der kurz erwähnten Gründe, den Adels-Arbeits-Titel unserer Berufsbranche, „Sir“, verdient haben: Sir Schweißer XY.

       Doch obschon jeder Schweißer für sich alleine schweißt, so verrichten auch sie ihre Arbeit niemals alleine. Der Untertitel des Buches weist darauf hin: „You’ll Never Work Alone“. Leicht abgewandelt von der ursprünglichen Broadway-Hymne und dem Chorgesang des Liverpooler FC Fanblocks, The Kop, soll er Mut machen. In beruflich schwierigen Phasen zum Weitermachen/-gehen/-arbeiten ermutigen. Und er soll an die Synergie unserer Arbeit erinnern: Daran, dass niemand, niemals und nirgendwo auf dieser Welt eine Arbeit ganz für sich alleine verrichtet. Immer gibt es Menschen, die entweder eine Vorleistung erbracht haben oder die einem bei der Arbeit unterstützend zur Seite stehen.

       Im lockerleichten Plauderton erzählen insgesamt zehn Kurzgeschichten, warum und wie durch Schweißen, metallische, fachpersonalspezifische und fachübergreifende Verbindungen entstehen. Allesamt auf beruflichen Fakten basierend. Manchmal auch phantasierend. Aber immer inspirierend und motivierend. Durch den Schreibstil des Magischen Realismus, bei dem sich die Grenze zwischen Realität und Phantasie im aufsteigenden Schweißrauch einer abschmelzenden Stabelektrode verflüchtigt. In Kurzform wird die Entwicklungsgeschichte der Schweißtechnik erzählt; philosophiert über das seit vielen Jahrhunderten mit ihrem einhergehenden, „schweißtechnisch-orthographischen“ w-Problem. Ausgedrückt in der, von Generation zu Generation mündlich überlieferten, Schweißer-Weisheit: „Das Wichtigste am Schweißen ist das w, ansonsten geht’s in die Hose.“.

       Die Rückkehr der Jedi-Ritter erzählt von einem beruflichen Einsatz in Chon Buri. Wie die durch Spannungsrisse beschädigten Rotoren mittels Laserschweißtechnik repariert wurden, währenddessen die thailändische Strafverfolgungsbehörde DSI (Department of Special Investigations) versuchte, das Knowhow der Federwischerrotoren auszuspionieren. Abgewehrt durch die DSI-Laserschweißer, die als die industriellen Jedi-Ritter des 21. Jahrhunderts mit ihren Laserschweißkanonen für die Gute Macht kämpfen: Kurz und schmerzlos. Überaus faszinierend, weil bei der Technologie des „Lichtschweißens“ alles Entscheidende im Bruchteil einer einzigen Sekunde geschieht.

       Wir lieben die Stürme erzählt von einer beruflichen Seereise zur Antarktis auf dem Krill-Trawler Juvel. Als das Schiff eines Nachts in einen Sturm gerät, stundenlang gegen Kaventsmänner ankämpft, während in der Vorstellung des in seiner Koje liegenden Schweißfachmannes die Chaos-Theorie abläuft: Welche Schweißnahtfehler in Schweißnähten schlummern können und welch‘ verheerenden Auswirkungen diese bei einem getrennten, verlängerten und wieder zusammen geschweißten Schiff auf hoher See haben können.

       Was wäre die Welt ohne Stahl setzt sich mit der Utopie auseinander, wie unsere Welt ohne Stahl aussehen und in welchem Ausmaß es die Menschen im (Arbeits-)Alltag beeinflussen würde.

       Die Sache mit dem Edelstahl erzählt von der Auswahl des richtigen Werkstoffes. Von der Pauschalempfehlung des fachkundigen Volksmundes: „Nimm Edelstahl. Oder noch besser, VA!“.

       Zehn kleine Klärschlammtrockner und der Erzengel Raphael berichtet von einer außergewöhnlichen Verbundenheit, die während eines mehrmonatigen Einsatzes beim Apparatebauer Barlage GmbH im Emsland zum Vorschein kam.

       Die Magie der Industrie erzählt die Geschichte eines scheinbar untalentierten Schweißers, der nie erwachsen werden wollte und beim Singen unter dem Schweißhelm Trost suchte. Wie er auf magische Weise von der schmerzlichen Wirklichkeit über die Musik und einer Phantasterei auf die Lösung seines Problems kam: Die Erfindung der Schweißnaht-Schuppen-Schönmach-Maschine©.

       Die am Buch beteiligten Unternehmen, Buss-SMS-Canzler GmbH, Barlage GmbH, Felco GmbH, Leschaco GmbH & Co. KG, Seelen GmbH, DSI Laserservice Thailand Ltd., stehen als Beweis dafür, dass Schweißen auch Unternehmen und die dort beschäftigten Menschen verbindet. Und darüber hinaus vermag Schweißen sogar Kinderträume zu erfüllen! Ein nebenberufliches Phänomen, worüber die letzte Geschichte erzählt und verrät, warum jeder, der sich mit der Schweißtechnik und dem Buchprojekt verbunden fühlt, automatisch zum Kindertraum-Erfüllungshelfer wird.

       „Außergewöhnliche Fach-, Sach- und Lachlektüre für Branchenkenner. Faszinierende Einblicke für Branchenfremde in die Welt der Schweißtechnik.“ (DVS-Media)
    ISBN: 978-396144-078-8 / Seiten: 328 / Preis: 15,00 Euro.

    Zur Buchbestellung: DVS Media; Über den Autor

    Fühlen Sie sich verbunden! Wir bleiben in Verbindung ...

    Stephan Thiemonds

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