Arbeiten um zu leben...

… um sich Freiheit und Freuzeit gönnen zu können.

   Zugegeben: unsere modernglobale (Arbeits-)Welt verleitet dazu, sich über seinen Beruf zu definieren. Basierend auf der Tatsache, dass Arbeit die Grundlage der persönlichen Existenz bildet. Darüber hinaus trägt sie zur Selbstverwirklichung bei. Arbeit verleiht Wertschätzung, liefert Bestätigung und gibt ein Gefühl des Dazugehörens. Sicherheit durch den unbefristeten Arbeitsvertrag. Abgesichert in der Komfortzone. Unterschwellig der Verlockung ausgesetzt, die Firma als Sinnstifter oder gar als Familienersatz anzusehen, der man gerne ein Großteil seiner (Lebens-)Zeit opfert. Wohlwissend, dass viel-zu-viel Arbeit belasten und krank machen kann. Ebenso krank, wie gar keine Arbeit. Weil ein Arbeitsloser von der arbeitenden Gesellschaft schnell als Außenseiter behandelt wird.

   So ist man als Vollzeitarbeitnehmer, vielleicht ohne es zu merken, ein Mitgestalter eines Geschäfts- und Gesellschaftsmodells, in dem die Arbeit einen viel zu großen Teil unseres Lebens bestimmt. Viel mehr, als uns bei genauerem Hinsehen lieb sein dürfte.

  Vielleicht oder gerade deswegen träumen alle Genau-Hinsehenden und Selbst-Reflektierenden von einem Sabbatjahr. Von einem Ausstieg aus der Arbeit auf Zeit. Auszeit nehmen, statt Ausbrennen. Um Gutes zu tun. Für sich und für unsere mannigfaltige, phantastische Umwelt.

  „Unmöglich!“, sagt sich der vielbeschäftigte Arbeitsmann in einer Alltagswelt, in der selbstbestimmte Zeit zum Luxusgut wurde. Demzufolge die Frage aufwirft, ob im Kapitalismus Karriere und Geld einen höheren Stellenwert einnehmen als Glück und Gesundheit? Zählt die Firma mehr als Freizeit, Freunde und Familie?

  „Warum nicht einfach alles miteinander vereinen?“, fragt die Generation Y, sich und die Arbeitgeber. Fordern frech-frei-heraus einen Wandel in der westlichen Arbeitskultur.

   Eine neuzeitliche Industrierevolution, eine Weiterentwicklung des Lebensstandards in Deutschland. Eine Ideologie, ausgelöst durch Träume und Wünsche und Sehnsüchte. In einem Wort: Freiheitsliebe. Praktisch umsetzbar auf altbekannte Art. Weise auf den Punkt gebracht durch ein Zitat des amerikanischen Schriftstellers, Ogden Nask (1902-1971).

„Wenn du nicht arbeiten willst, musst du arbeiten, damit du genug Geld verdienst, um nicht arbeiten zu müssen.“

   Alternativ umsetzbar durch ein Sabbatical. Durch ein modernes Arbeitszeitmodell, wortschöpferisch abgeleitet von dem in der Tora erwähnten Sabbatjahr; nach dem Ruhejahr für das Ackerland, nachdem es sechs Jahre lang beackert und ausgelaugt wurde. Basierend auf dem gemeinnützigen Grundgedanken, „nicht das Letzte herauszuholen“. Nicht aus den Ressourcen der Erde, nicht aus dem Kapital, nicht aus der eigenen Arbeitskraft und auch nicht aus der der anderen. Stattdessen ruh‘n und was anderes tun.

  Der Individualisierungsprozess setzt sich in Gang, vermag die bisherigen Werte zu wandeln. Durch In-Fragestellen. Durch die Fragen der Warum-Generation Why not? Möglichst weit weg von zu viel Arbeit. Abwenden, von der ökonomisch unsinnigen Hamsterrad-Gewohnheit, seine Existenz durch Geschäftigkeit zu rechtfertigen. Stattdessen Gestaltungsfreiräume schaffen. Umdenken und hinwenden zu einer postmaterialistischen Einstellung. Einer, die einen nicht mehr vorrangig nach dem materiell Greifbaren streben lässt. Sondern den Fokus auf höhere Werte richtet, auf das Wesentlichste an der Arbeit: Diese zu tun, um zu leben. Weil wir nicht geboren wurden, um (nur) zu arbeiten. Wir sind hauptsächlich geboren, um zu leben. Ganzheitlich. Leben und Arbeit in Einklang. Klingt unmöglich? Mitnichten! Wurde sogar besungen, vom Grafen von Unheilig. Hören wir mal rein:

»Wir waren geboren um zu leben …

   Was hier beim Lesen so freiheitlich-flott, zeitgemäß und musikalisch-modern erscheinen mag, ist mindestens so alt (aber nicht verstaubt) wie der erste deutsche Wirtschaftsboom. Damals, in den 1960er Jahren. Bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert durchdacht und zu Papier gebracht von Heinrich Böll, für eine Sendung des Norddeutschen Rundfunks. Überschrift: „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“. Und das zu einer rasanten Wirtschaftswunderzeit, in der man an kaum mehr als an Arbeit-Arbeit-Arbeit und an den mit der Arbeit einhergehenden, persönlichen Aufstieg dachte. Übers Radio veröffentlicht am Tag der Arbeit. Als eine Provokation am 1. Mai, durch Infragestellung der neu erarbeiteten Werte und des frisch errungenen Selbstbewusstseins. Als eine Aufforderung zum Nachdenken: über Lebensplanung, materiellem Reichtum und Entscheidungsfreiheit. Denkanstöße, die damals, 1963, ebenso aktuell waren wie heutzutage, im Jahre 2018, und vermutlich bis in alle Ewigkeit.

   Eben darauf möchte Querweltein Unterwegs und der Circle of Inspiration aufmerksam machen. Zum Drüber-Nachdenken anregen: über den bewussten Umgang mit der Arbeit. Impulse geben und inspirieren. Theoretisch und praktisch. Durch die „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“. Und Mithilfe der für die Arbeitsmoralsenkung notwendigen Tipps und Tricks aus dem „Weltreise Kompendium“. Halt eben weil wir Menschen geboren werden, um zu leben.

„Lebenskunst besteht darin, die eigene Natur mit der eigenen Arbeit in Einklang zu bringen.“
Luis de Leon (1527-1591)